Gut und edel

Zum Philosophieren zieht sich Philipp Kiefer am liebsten in seinen Keller zurück. Dort ist er immer häufiger anzutreffen. Aber nicht nur um die Welt und die menschliche Existenz in den Tiefen der Weinfässer zu ergründen, sondern um seine Vorstellungen von holzfassgereiften Top-Weinen real umzusetzen.

Philipp Kiefer
Philipp Kiefer - Foto: Daniel Slusarcik

Der junge Mann ist von Majestäten umgeben. Von ehemaligen, genau gesagt. Aurelia Warther, die sich um die Weinberge kümmert, war vor vier Jahren Badische Weinkönigin und Sandra Hilfinger, zuständig für Kundenbetreuung und Auftragsbearbeitung, trug vor neun Jahren die Krone der Markgräfler Weinprinzessin. Damals setzte sich auch der heute 28-jährige Philipp eine Krone auf, allerdings eine imaginäre. Denn zu dieser Zeit baute er seinen ersten Wein, einen 2009er Spätburgunder, aus und nannte ihn selbstbewusst Edition Philipp Kiefer. Bei seiner Weinmacherpremiere sollten alle Erfahrungen und Weinstile erkennbar sein, welche er bis dahin sammeln konnte. Angefangen im Weinberg bei den Laubarbeiten und der Ertragsreduzierung bis zum Ausbau in gebrauchten Barriquefässern.

Ein Jahr später beendete er seine Ausbildung als landesbester Weinküfergeselle und nach dem Zivildienst zog es ihn für vier Monate auf ein Weingut in Neuseeland. Dieser Aufenthalt prägt noch immer seine Weinstilistik. "Ich stehe auf Weine mit interessanten Ecken und Kanten, die sich von anderen differenzieren", lautet seine berufliche Philosophie. Seine Favoriten sind Burgundersorten von der Steillage, sowie Sauvignon Blanc und Sauvignon Gris mit einem lange anhaltenden Finish am Gaumen. Doch als geborenen Markgräfler inspiriert ihn ebenso der Gutedel. "Es ist ein facettenreicher Wein mit unterschiedlichen Stilistiken. Aber stets vor allem eins, nämlich unkompliziert zu genießen." Das hat Philipp dazu bewogen, einen seiner Weine mit dem Etikett I ♥ GUTEDEL zu schmücken. Schließlich möchte er den Gutedel bekannter machen, regional, national und international.

Auch wenn Philipp schon seit früher Kindheit Winzer werden wollte, musste er weit früher als geplant Verantwortung übernehmen. Nach dem frühen Tod seines Vaters 2012 übernahm Philipp zusammen mit seiner Schwester das Weingut in 4. Generation und leitet seit 2014 den Betrieb alleine, tatkräftig unterstützt von seiner Mutter und den ehemaligen Majestätinnen. Und was sind seine weiteren Pläne? "Aktuell bewirtschaften wir rund 8,5 Hektar, aber ich will die Rebflächen erweitern um die Premium-Linie weiter auszubauen. Bald möglichst will ich an unserer Steillage einen Cabernet Sauvignon pflanzen und mit Barriqueausbau und langer Feinhefelagerung arbeiten." Zudem soll das Weingut nach und nach modernisiert werden.

Langweilig wird es Philipp daher so schnell nicht und wenn ihn doch einmal wieder das Fernweh packt, verreist er am liebsten in Regionen, die eine Weinbautradition und kulinarische Erlebnisse aufweisen können.

www.ksweingut.de

Neueste Beiträge
Lieblingswein finden