Winzer & WeingüterAnpfiff bei lauter Musik

Anpfiff bei lauter Musik

Mit 19 kreierte Tobias Rickes seinen ersten Wein. Gut, das machten viele andere Jungwinzer auch. Aber dass ein Erstlingswerk gleich auf Anhieb für Schlagzeilen sorgt, ist schon weniger alltäglich. Zu diesem ersten Lorbeerkranz sind mittlerweile einige weitere dazu gekommen. Zum Glück hat der Weinmacher von der Nahe aber noch reichlich Platz für weitere Kränze.  

Tobias Rickes - Foto: Weingut Tobias Rickes

Wer in Bad Kreuznach auf der Suche nach Tobias Rickes ist, sollte die Ohren spitzen. Denn der hört Musik nur wenn sie laut ist. "Dabei kann ich mich am besten konzentrieren und es macht einfach furchtbar viel gute Laune", meint der 24-Jährige. Heavy Metal oder Schlager? Nein, er legt sich nicht auf eine Richtung fest. "Hier ist es wie beim Wein, bei dem auch die Vielfalt das spannende ist."

Entsprechend sind seine Weinberge bepflanzt. Auf den 10 Hektar zwischen Bad Kreuznach und dem Guldenbachtal stehen neben 50 Prozent Riesling noch 35 Prozent Burgundersorten in Form von Grauburgunder, Chardonnay und Spätburgunder, den Rest teilen sich Spezialitäten wie Scheurebe, Kerner, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon und Merlot. Ein breites Spektrum also, das Tobias genügend Raum für Interpretationen schafft.

Angefangen hatte alles 2012, als seine Familie ihm die Möglichkeit gab, einen kleinen Weinberg mit 40 Jahre alten Reben nach seinen Vorstellungen zu bewirtschaften und den Wein nach seiner Philosophie auszubauen. Das Resultat nannte sich Riesling "I". Kurz darauf schwärmte ein bekannter britischer Journalist über diesen Tropfen sorgte somit für einen unerwarteten frühen Bekanntheitsgrad. Was Tobias aber nicht davon abhielt, Weinbau & Oenologie zu studieren und weitere Praxis zu sammeln, etwa bei den Stars Paul und Sebastian Fürst in Franken und Johannes Leitz im Rheingau. 2014 übernahm er dann parallel zu seinem Studium den Traditionsbetrieb seiner Großeltern.

Eine wirkliche Alternative gab es für ihn sowieso nie. "Ich kann wirklich behaupten, meine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben", meint Tobias, der auch eine klare Vorstellung von der Zukunft hat. Nämlich keine, außer weiterhin Weinmachen und Spaß daran haben.

"Meine ersten Jahrgänge haben mir gezeigt, wie unterschiedlich die Herausforderungen von Jahr zu Jahr sein können, und dass man nicht alles planen kann und sollte."

Ähnlich variabel ist er bei der Weinauswahl für sich selbst. "Einen wirklichen Lieblingswein gibt es nicht, das ist immer von der Stimmung, einem Gefühl oder einem Essen abhängig."

Aber am gemeinsamen Abend mit Freunden genießt er dann lieber anspruchsvollere Weine wie beispielsweise seinen Sauvignon Blanc oder den Kosmopolit aus Cabernet Sauvignon und Merlot. Und nach zwei Gläsern Wein und einem leckeren Essen entstehen dann so manche Wortschöpfungen für seine Weine, etwa den Anpfiff. "Das ist unser Einstiegswein, sozusagen der Anpfiff für unser weiteres Sortiment." Aber durch seine Leichtigkeit auch geeignet für einen Fußballabend, etwa während der WM.

www.tobias-rickes.de

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