Winzer & WeingüterÜber den Tellerrand blicken

Über den Tellerrand blicken

Bereits als Kinder experimentierten Martin und Robert Hamm mit Wein. Leider flogen die ersten heimlichen Versuche im gemeinschaftlichen Kinderzimmer durch den Gärgeruch ziemlich schnell auf. Doch der Vater verzichtete auf eine Strafpredigt und brachte seine Söhne in den Keller. Dort zeigte er ihnen, wie man wirklich Wein macht. Eine kluge Entscheidung, wie man heute weiß.

Weingut Hamm
Weingut Hamm

Fragt man die beiden Brüder nach ihren Lieblingsbeschäftigungen, bekommt man einige Antworten. Etwa den Austausch mit anderen Winzern, egal ob zwei Orte weiter oder in einer kleinen Gemeinde im Burgund. Das sei, so der 31-jährige Martin, eines der schönsten Dinge in ihrem Beruf. Man erzählt dabei von seiner Leidenschaft und macht zusammen ein paar Flaschen auf, später versackt man dann im Weinkeller, in dem man ganz die Zeit vergisst. "So kommt man auf Ideen, schaut sich Dinge ab oder lernt neue Techniken kennen, die man selbst anwenden möchte", ergänzt Robert.

Für den ein Jahr älteren Jungwinzer war es schon immer klar, einmal in die Fußstapfen des elterlichen Betriebs zu treten. Martin dagegen hätte am liebsten erstmal mit dem entspannten Rentendasein angefangen. Nach dem Motto „Erst das Vergnügen dann die Arbeit“. Nach mehreren Praktika und längerem Überlegen entschied er sich dann doch, zur Verblüffung seiner Familie und Freunde, Winzer zu werden. Es folgten das Weinbaustudium in Geisenheim und einige Zeit im Ausland, um über den Tellerrand zu blicken. Das machte er im Weißweinparadies Neuseeland so gründlich, dass es im Hause Hamm mitten in der rheinhessischen Rotweingemeinde Ingelheim heute Sauvignon Blanc gibt, der ein bisschen an Martins Zeit in Übersee erinnert.

Robert allerdings bevorzugt ortstypische Rotweine, vor allem die Spätburgunder aus „Alten Reben“. So unterschiedlich die Brüder in ihren Vorlieben sind, einig sind sie sich bei ihren Experimenten im Weinkeller. Gerade im Bereich Burgunder gehen sie gerade in die nächste Runde mit ihrem Holzfassprojekt. Ein Spätburgunder Lagenwein von 2018, das Beste aus dem Hause Hamm, wird zurzeit in vier verschiedenen Fässern gelagert, Eiche, Akazie, Kastanie und Esche. Nach vollendeter Reifephase wird der Wein einzeln abgefüllt. Die Weine werden nur zusammen im Set verkauft. Somit hat man den perfekten Vergleich wie sich ein und derselbe Wein in vier verschiedenen Holzarten verändert.

Derartige Ideen entwickeln sie aber nicht nur bei Besuchen in anderen Kellern, sondern auch in ihrem Garten. Auf einer Sitzecke mit Teich und selbst errichteten Natursteinmauern aus regionalen Bruchsteinen trifft sich abends die ganze Familie und bespricht bei Wein und Essen den Arbeitsplan für die nächsten Tage oder neue Experimente. Gut essen, mit Obst und Gemüse aus eigenem Anbau, und passende Weine trinken, ist ein gemeinsames Hobby.

Ein komplexer, eleganter Spätburgunder am Grill, der Rosé-Schoppen am Weinfest und der Sonnenuntergang zu zweit, der von einem Gewürztraminer abgerundet wird. "Es gibt immer den richtigen Stil für den richtigen Moment", meint Martin. "Fokussiert man sich zu sehr auf eine Sache im Leben, könnte man das Beste verpassen." Da hat er recht.

www.hamm-weine.de

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