Frau Bretz, warum liegt man falsch, wenn man denkt, die Winzer würden für eine Cuvée ihre Keller aufräumen?

Tatsächlich begegne ich bei Weinproben sehr oft diesem Vorurteil. Dann erkläre ich gerne, dass es natürlich eine Kunst ist, einen sortenreinen Wein gut auszubauen. Aber eine noch größere, vielleicht die höchste Kunst ist es, eine Cuvée zu gestalten. Klar handelt es sich hierbei um ein Vermischen, einen Verschnitt verschiedener Rebsorten. Ich spreche dabei lieber von einer Komposition, um hier mal ein netteres Wort zu gebrauchen. Man kann das, denke ich, ganz gut mit einem Kunstwerk vergleichen, bei dem man ja auch vorher gut überlegt, was man aufs Papier bringen möchte. Genauso ist es bei einer Cuvée. Da fragen wir uns vorher: Was will ich eigentlich später im Glas haben? Da haben wir dann schon ein bestimmtes Bild vor Augen.

Ich erlebte bei einem gesetzten Abendessen vor Jahren mal folgende Situation: Meine Tischnachbarin schüttete roten und weißen Wein zusammen und erklärte, das würde sie zuhause immer so machen. Dieser Schock wirkt bei mir bis heute nach. War das auch eine Cuvée?

(lacht) Im Prinzip schon. Aber wir gehen da eher zielorientiert vor. Wir mischen also nicht drauf los und schauen, ob was dabei rauskommt, sondern wir haben ganz klare Vorstellungen davon, wie die Cuvée nachher schmecken soll. Dem versuchen wir dann, uns immer weiter anzunähern.

Was dabei jeweils herauskommt, füllen Sie sehr erfolgreich in Flaschen. Was haben Sie denn im Angebot?

Wir haben zwei Linien. Eine davon sind unsere Saison-Cuvées, die wir schon ewig im Angebot haben. Nehmen wir mal den Weißen, unseren Fleurant – die Idee dafür hatten schon meine Eltern vor über 20 Jahren: Wir wollten da einen frischen Sommerwein, einen Terrassenwein, fruchtig und easy drinking. Das war der Grundgedanke. Die Frage war nun, wie kriegen wir das hin?