Wein-WeltenEntdeckungen in Saale-Unstrut

Entdeckungen in Saale-Unstrut

Früher war alles besser. Allerdings nur in Bezug auf die Rebfläche. Immerhin sollen im 16. Jahrhundert in der Region Saale-Unstrut über 10.000 Hektar mit Rebstöcken bepflanzt gewesen sein. Heute sind es rund 770 Hektar, die sich auf drei Bundesländer verteilen: Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg.

Kellerführung im historischen Holzfasskeller Winzervereinigung Freyburg
Kellerführung im historischen Holzfasskeller - Foto: Winzervereinigung Freyburg

Trotzdem ist auch heute noch die Region geprägt von Weinbergen mit Steilterrassen, jahrhundertealten Trockenmauern und romantischen Weinbergshäuschen. Man kann sogar behaupten, dass die Schönheit der Flusstäler und die durch den Terrassenweinbau geprägte Landschaft ein nahezu mediterranes Feeling versprühen.

Gut ausgebaute Wander-, Rad- und Wasserwege durchziehen das Weinanbaugebiet von Memleben über Freyburg nach Großjena an oder auf der Unstrut, von Bad Kösen über Naumburg bis nach Weißenfels an oder auf der Saale, in Bad Sulza an der Ilm, bei Zeitz an der Weißen Elster und in der Nähe von Halle an den Mansfelder Seen. Auf diesen touristischen Wegen wird auch die lange Weinbautradition lebendig.

Die Geschichte des Weinbaus an den Flüssen Saale und Unstrut beginnt mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 998. Kaiser Otto III. schenkte damals dem Kloster Memleben sieben Orte und einige Weinberge. Für den Bereich der Mansfelder Seen bei Halle gilt eine Tauschurkunde des Kaisers Otto II. vom  Oktober 973 als ältester urkundlicher Nachweis für den Weinbau. Und im Jahre 786 ist der Weinbau in Dorndorf/Werra in Westthüringen belegt. In der Saale-Unstrut-Region waren es vor allem die Mönche des Zisterzienser-Klosters Sancta Maria Schulpforta, die den Weinbau nach ihrer Gründung im Jahr 1137 weiterentwickelten.

Nachdem nach 1945 der Weinbau nur durch Freizeitwinzer betrieben wurde, förderte die DDR ab den 1960er Jahren den Anbau, aber durch den strengen Winter 1986/87 mit Frösten von bis zu -30 °C wurde ein Großteil der damaligen 480 Hektar Rebflächen vernichtet. Bis zur Wende gab es dann nur noch zwei Betriebe, die 1934 gegründete Winzervereinigung Freyburg und das Landesweingut Kloster Pforta, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1154 zurückreichen. Heute existieren 4 Großlagen und 47 Einzellagen im Anbaugebiet Saale-Unstrut, die von rund 60 Privatweingütern, der Winzervereinigung und dem Landesweingut bewirtschaftet werden.

Spannende Trips durch die Region

Im nördlichsten Qualitätsweinanbaugebiet Deutschlands, am 51. Grad nördlicher Breite, nahe dem Polarkreis wie Spötter sagen, findet man über 50 verschiedene Rebsorten. Ganz oben auf der Weißweinliste steht der Müller-Thurgau, gefolgt von Weiß- und Grauburgunder sowie Bacchus, Riesling, Silvaner, Gutedel und Kerner. Bei den Rotweinen, die rund ein Viertel der Rebflächen beanspruchen, geben der Dornfelder, Portugieser, Spätburgunder und der Blaue Zweigelt den Ton an.

Die vorwiegend nach Süden gerichteten Weinbergsflächen liegen meist geschützt in den Flusstälern und auf den angrenzenden Flach- oder Hanglagen. In den Flusstälern bilden Wärmeinseln ein besonders mildes Mikroklima. Die Sonne scheint etwa 1.600 Stunden im Jahr. Mit rund 500 mm Niederschlag jährlich zählt die Weinbauregion zu den niederschlagsärmsten in Deutschland. Der ausgewogene Mix von Sonne und Kühle sorgt für feingliedrige und spritzige Tropfen, was man bei den Touren durch die Region leicht feststellen kann.

Eine tolle Gelegenheit, das Gebiet zu erkunden, ist die Kombination von Kanutour und Weingenuss auf der Saale oder Unstrut, die ganz individuell gestaltet werden kann. Jede Tour beginnt mit einer ausführlichen Einweisung in die Technik, Sicherheit und ökologischen Aspekte des Kanufahrens. Besonders interessant ist die Tour ab Nebra, in der Nähe des Fundortes der Himmelsscheibe von Nebra, der weltweit ersten Himmelsdarstellung vor rund 3600 Jahren. Naturbelassene Flussläufe führen an den Winzerstädtchen Steigra und Burgscheidungen mit seinem prägnanten Schloss vorbei. Flussabwärts schlängelt sich die Unstrut weiter nach Laucha, der Wein-, Segelflug- und Glockenstadt und Weischütz. Danach sieht man am Wehr von Zeddenbach die älteste noch produzierende Wassermühle. Herrliche Weinberge mit malerischen Steilterrassen und historischen Weinbergshäuschen gestalten den weiteren Weg. Hier zeichnet das Landschaftsbild eine einzigartige Reblandschaft, die Freyburger Schweigenberge, welche entlang der Weinstraße Saale-Unstrut weiter Richtung Freyburg, der Endstation, führt. In der heimlichen Weinhauptstadt, wie Einheimische das Weinstädtchen nennen, bieten die Winzervereinigung Freyburg sowie die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien neben Weinen und Schaumweinen auch Führungen.

Besonders die Winzervereinigung Freyburg bietet das ganze Jahr über ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Von den Kellerführungen, die täglich um 13 Uhr stattfinden, über kulinarische Weinproben, bis hin zu Lesungen und Konzerten. Besonders sehenswert ist der Holzfasskeller, der zu einem der schönsten und größten Deutschlands zählt. Daneben ist die täglich geöffnete Weingalerie eine wichtige Anlaufstelle, um sich einen Überblick über das Sortiment der Winzervereinigung zu verschaffen.

Der Schatz der Region

Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, kann den Saale-Weinwanderweg zwischen Bad Kösen und Naumburg beschreiten. Zu Pfingsten findet hier die bereits legendäre Weinmeile mit vielen Tausenden Besuchern statt. Mindestens genauso beliebt sind die Wanderwege um Freyburg. Hier findet man auch den Weinlehrpfad mit über 26 Tafeln.
Mit zwei oder vier Rädern lässt sich die 60 Kilometer lange Weinstraße Saale-Unstrut befahren. Von Memleben aus führt sie an Unstrut und Saale entlang und reicht im Norden bis Weißenfels. Seit kurzem gibt es noch zwei weitere Weinstraßen. Die Weinstraße Mannsfelder Seen zwischen Zappendorf und der Lutherstadt Eisleben führt auf einer Länge von über 20 Kilometern durch die nördliche Weinbauinsel. Im Südosten des Landes Sachsen-Anhalt hat sich die Weinroute Weiße Elster vom Kloster Posa in Zeitz bis nach Wetterzeube längst einen guten Namen gemacht.

Weitere touristische Routen sind die Straße der Romanik und die archäologische Route Himmelswege, die gut ausgeschildert durch eine reizvolle und geschichtsträchtige Landschaft führen, die es auf die UNESCO-Welterbeliste schaffen will. Nicht zuletzt wegen der vielen Weinbergshäusern, oft an den Steilhang angelehnt oder in den Hang hineingebaut wurden. Diese stark gegliederten Terrassenlagen mit ihren Trockenmauern und Weinbergshäusern prägen das Bild der Kulturlandschaft. Die ungewöhnliche Dichte und Vielgestaltigkeit der Gebäude ist einzigartig in Deutschland und gelten somit als ein Schatz des Weinanbaugebietes. Wer diesen aus nächster Nähe sehen will: Der 2,5 ha große Schlifterweinberg der Stadt Freyburg ist mit seinem Weinbergshäuschen ein Demonstrationsweinberg der Region. Viel Spaß auf Ihrer Tour.

 

Unser Tipp

Winzervereinigung Freyburg-Unstrut eG
Querfurter Str. 10
06632 Freyburg

Tel.: 034 464 / 30 616
Anja.Weise@winzervereinigung-freyburg.de
Internet: www.winzervereinigung-freyburg.de

 

Weitere Infos:

www.saale-unstrut-tourismus.de

www.unstrutradweg.de/weinstrasse

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