Wolfgang Hubert: Frau Wirsching, Sie haben unsere Wettbewerbe „Beste Winzerin des Jahres 2022“ und „Silvaner-Weingut des Jahres 2022“ gewonnen. Unsere herzlichsten Glückwünsche dazu. Über was haben Sie sich denn mehr gefreut?

Andrea Wirsching: „Winzerin des Jahres“ ist schon eine besondere Auszeichnung! Ich spreche inzwischen alle meine Mitarbeiter in der Produktion scherzhaft als „Winzerin des Jahres“ an, denn diesen Erfolg verdanken wir ausschließlich der guten Bewertung der Weine. Dass wir im Bereich „Silvaner“ wieder erfolgreich sind, freut uns natürlich riesig. Das ist Franken und das ist auch der größte Anteil bei uns im Weingut.

W.H.: Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Andrea Wirsching: Konsequente Qualitätsarbeit. Wir können alle so viel gutes Marketing machen, wie wir wollen, am Ende zählt, ob der Wein gut ist.

W.H.: Was sind Ihre nächsten Pläne?

Andrea Wirsching: Sie werden es nicht glauben, aber wir bauen eine neue Hallen. Eine davon, um Vorräte an Flaschen und Material gut zu lagern. Wir setzen auf den traditionellen Bocksbeutel, auch wenn wir langfristig einen Teil der Weine in nachhaltigere Gebinde füllen werden. Wegen der aktuellen Lieferkettenproblematik und den Energiekosten kann man nicht mehr kurzfristig einkaufen. Daher müssen wir jetzt in ein Gebäude investieren, dessen Zweck wir vor einigen Jahren völlig unsinnig gefunden hätten. Und das bei steigenden Zinsen und einer bevorstehenden Rezession. Die andere Halle soll den Keller entlasten, denn wir investieren in mehr Holzfässer.

Kellermeister Dr. Klaus-Peter Heigel, Andrea Wirsching und Winzermeister Simon Ender vor dem Julius-Echter-Berg
Kellermeister Dr. Klaus-Peter Heigel, Andrea Wirsching und Winzermeister Simon Ender vor dem Julius-Echter-Berg

Winzerin Andrea Wirsching vor dem Rödelseer Tor
Winzerin Andrea Wirsching vor dem Rödelseer Tor

W.H.: Trockene Silvaner mit einer Bewertung von 90 und mehr Punkten gab es bis vor wenigen Jahren so gut wie nie. Weshalb hat sich das geändert, gerade auch bei Ihrem Weingut?

Andrea Wirsching: Wir beschäftigen uns seit 2015 intensiv mit dem Klimawandel. Unser Oenologe, Dr. Heigel, und sein Team, konzentrieren sich jetzt sehr viel mehr auf die Weinberge, als früher. Wir arbeiten in großen Teilen wie Biobetriebe, lassen uns aber nicht zertifizieren, weil wir auf keinen Fall Kupfer spritzen wollen. Uns geht es darum, alle Maßnahmen genau zu prüfen und das einzusetzen, was wir für das Intelligenteste halten. Als Mitglied bei Fair’n Green werden wir da hervorragend beraten. Dies und das handwerkliche Können bei der Verarbeitung der Trauben zahlt sich aus. Der Silvaner, der mit dem Klimawandel sehr gut zurechtkommt, profitiert besonders davon.

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